Agroforestry Bolivia
Méndez, Region Tarata (Cochabamba)
Lokale Gemeinschaften
Ökologische Restaurierung
Ernährungssicherheit
Klimaresilienz
Hintergrund
Bolivien gehört zu den Ländern mit den höchsten Entwaldungsraten weltweit. In den vergangenen Jahren hat sich der Waldverlust durch illegale Abholzung, Goldbergbau und Brandrodungslandwirtschaft beschleunigt.
Die Gemeinde San Luis Chico liegt innerhalb der Pilón-Lajas-Biosphärenreserve, die Teil der größeren Madidi-Region ist – einer der artenreichsten Regionen der Erde. Trotz ihres Schutzstatus haben illegale Abholzung und Bergbauaktivitäten die umliegenden Wälder zunehmend degradiert.
Im Gegensatz dazu ist das Cochabamba-Tal (Valle Alto) von schwerer Dürre und Bodendegradation betroffen. Rund 65 % der Region sind von Wüstenbildung bedroht, verursacht durch Entwaldung, nicht nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken und zunehmende Klimaextreme.
Sinkende Grundwasserspiegel, verschwindende Wasserquellen und abnehmende Bodenfruchtbarkeit haben zu einer rückläufigen landwirtschaftlichen Produktivität geführt. Viele Familien sind gezwungen, in Städte abzuwandern, während die verbleibende Bevölkerung zunehmend mit Armut und Ernährungsunsicherheit konfrontiert ist.
Agroforstwirtschaft bietet einen vielversprechenden Ansatz, um degradierte Landschaften zu restaurieren und zugleich die landwirtschaftlichen Lebensgrundlagen zu verbessern.
Was wir tun
Das Projekt führt dynamische Agroforstsysteme ein, die Forstbäume, Obstbäume und landwirtschaftliche Kulturen auf derselben Fläche kombinieren.
Es wurden zwei Projektstandorte eingerichtet:
- San Luis Chico (Departamento Beni)
- Méndez in der Region Tarata (Departamento Cochabamba)
Ursprünglich war das Projekt in der Region Cochabamba für die Gemeinde Villa Carreño vorgesehen. Kurz vor der Umsetzung äußerten jedoch Anwohner Bedenken hinsichtlich der begrenzten Wasserverfügbarkeit. Nach Gesprächen mit den Gemeindeleitungen wurde der Standort daher nach Méndez verlegt, wo die Bedingungen als geeigneter eingeschätzt wurden.
Jeder Standort umfasst etwa zwei Hektar Agroforstsysteme.
Zu den wichtigsten Aktivitäten gehören:
- Vorbereitung des Bodens und der Pflanzflächen
- Transport von Setzlingen zu abgelegenen Projektstandorten
- Einrichtung von Agroforstsystemen
- Praxisnahe Schulung von Gemeindemitgliedern im Agroforstmanagement
In San Luis Chico erforderte der Transport der Setzlinge eine mehrtägige Bootsfahrt ab Rurrenabaque, was die logistischen Herausforderungen der Arbeit in abgelegenen Amazonasregionen verdeutlicht.
Warum es wichtig ist
Agroforstsysteme können mehrere ökologische und soziale Herausforderungen gleichzeitig angehen.
Zu den ökologischen Vorteilen gehören:
- Restaurierung degradierter Flächen
- Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und Wasserspeicherung
- Zunahme der Biodiversität
- Höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel
Zu den sozialen Vorteilen gehören:
- Verbesserte Ernährungssicherheit für ländliche Familien
- Diversifizierung der landwirtschaftlichen Produktion
- Praxisnahe Schulung und neue Kompetenzen für Gemeindemitglieder
Durch die Verbindung von ökologischer Restaurierung und nachhaltiger Landwirtschaft trägt das Projekt zu langfristiger ökologischer Stabilität und verbesserten ländlichen Lebensgrundlagen bei.
Partner und lokale Einbindung
Das Projekt wird durch die Zusammenarbeit internationaler und lokaler Partner umgesetzt.
Let’s Plant e.V. (Deutschland) ist eine gemeinnützige Umweltorganisation, die in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern Aufforstungs- und Restaurierungsprojekte entwickelt.
OESER (Bolivien) ist eine gemeinnützige Organisation, die sich dem Umweltschutz, der Gemeinwesenentwicklung und der Förderung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken widmet.
Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinschaften durchgeführt, die sich aktiv an der Flächenvorbereitung, den Pflanzungen und den Schulungsaktivitäten beteiligt haben.
Diese direkte Einbindung stärkt lokales Wissen, erhöht die Akzeptanz neuer landwirtschaftlicher Praktiken und trägt zur langfristigen Nachhaltigkeit der Agroforstsysteme bei.

Perspektive
Die im Projekt etablierten Agroforstsysteme wurden so angelegt, dass sie sich im Laufe der Zeit zu produktiven und ökologisch stabilen Landschaften entwickeln.
Künftige Aktivitäten konzentrieren sich auf:
- die Beobachtung des Pflanzenwachstums und der Systementwicklung
- die Unterstützung lokaler Landwirte bei der Bewirtschaftung der Systeme
- die Bewertung ökologischer und sozialer Auswirkungen
- den Austausch von Erfahrungen mit anderen Gemeinden
Bei erfolgreichem Verlauf kann das Projekt als Modell für klimaresiliente Landwirtschaft und Landschaftsrestaurierung in Bolivien dienen.
